2014 Tag 06 Harstad und Tromsø

By 15. Mai 2014 No Comments

Harstad und Tromsø

In geselliger und sehr lustiger Runde sitzen wir am 16.05.2014 zusammen. Ich frage scherzhaft, was ich denn zum gestrigen Tag nun schreiben soll. Es fliegen kure Sätze hin und her und ich schreibe das hier einfach mal auf:

„Außer Spesen nix gewesen“ (Das Gegenteil war der Fall)

„Als ich die Krokusse sah, brach der Reiseleiter die Tour ab“ (Kommentar zum noch völlig verwaisten botanischen Garten in Tromsø, wo noch nicht eine Pflanze zu sehen gewesen ist)

„Ich benutze die Seilbahn schon seit 120 Jahren und sie ist nur selten abgestürzt“ – Kommentar des Reiseleiters zur recht alten Fjellheisen – Bahn.

So geht es den ganzen Abend weiter und schwubs – schon ist es wieder 23:30 Uhr.

Aufgrund des sehr langen Abends mit Trollfjord und Raftsund, erlaubte ich mir einmal auszuschlafen. Der Halt in Finnsnes barg eine Überraschung für die Gäste der MS Finnmarken. Kinder und Erzieherinnen der „Berglia Barnehage“ gaben ein Stelldichein direkt vor dem Schiff und sangen den Reisenden mehrere Lieder vor. Zum Schluss auch noch ein Lied, das zum mitmachen einlud. Der Stadtspaziergang fiel entsprechend kurz aus, aber das hat jeder gerne in Kauf genommen. Außerdem gab es frühzeitig das Mittagsbuffet und die Vielfalt an Speisen musste ja auch gewürdigt werden.

Die Landschaft wurde immer weißer und der Vergleich mit einer Winterreise wurde immer realistischer. Die Schneegrenze lag bei nur noch 200 Meter in Tromsø und nahm im Verlauf des abends weiter ab. Die Landschaft war wunderschön. In Tromsø angekommen wartete unser Bus bereits auf uns und wir fuhren direkt auf das Festland zum Fjellheisen, einer Seilbahn auf den ca. 600 Meter hohen Aussichtsberg „Storsteinen“ (großer Stein). Oben angekommen war tiefer Winter und es dauerte nicht lange, bis die ersten Schneebälle flogen. Waghalsige Manöver auf und im rund 2 Meter tiefen Schnee führten zu interessanten Verrenkungen und lustigen Bildern.

Ich versuche in den Berichten Worte der Superlative zu vermeiden, ist in Anbetracht der Natur und Gegebenheiten vor Ort aber ein sinnloses Unterfangen. Die Aussicht von oben war einfach grandios.

Anschließend besichtigten wir die Eismeerkathedrale von Tromsø, die mittlerweile einen Innen- und Außenanstrich bekommen hat. Die Baugerüste sind wieder weg. Außer uns war Niemand zu Gast und wir konnten das Ganze auf uns wirken lassen.

Gewöhnlich ist bei den Mai-Reisen ja alles schon schön grün und so wollte ich zumindest den Versuch wagen, einen Blick auf den botanischen Garten bei der Universitätsklinik zu werfen. Okay, das war nix. Alles noch braun oder leicht schneebedeckt, also weiter in die Stadt. Hier war dann ein Bummel angesagt und individuelles Shopping. Bis zur Abfahrt war noch reichlich Zeit. Ein Gast benötigte noch Zigarren und bat mich um Unterstützung bei der Beschaffung. Zigarren? Okay, den Wunsch hatte ich noch nicht, aber bekanntlich wächst man ja mit seinen Aufgaben. Der Zufall hatte die Finger mit im Spiel. Über einem Narwesen Geschäft hing ein sehr altes Schild, welches auf Tabakspezialisierung hinwies. Das Schild war aber deutlich älter als der Kiosk, aber fragen kostet ja nix. Mit Erfolg! Die Kioskbesitzerin erwies sich als Expertin mit einer großen Auswahl an Zigarren. 10 Stück für 50 Euro waren für norwegische Verhältnisse gradezu ein Schnäppchen.

Mit einer Kundin bummelte ich anschließend durch die Fußgängerzone und lud zu einer Tasse Kaffee ein. Man konnte dort gut draußen sitzen, und das Straßenleben beobachten. Während wir dem Kaffee und sonstigem Laster (Zigarette) frönten, kam ein rund 40-jähriger Mann aus dem Cafe heraus um ebenfalls zu rauchen und sprach uns auf norwegisch auf das Wetter an. Ich antwortete ihm und er erkundigte sich darauf hin, ob wir Dänen wären. Nein, Deutsche sind wir, erwiderte ich und daraufhin sprach einer deutsch mit uns. Geboren sei er in Ostdeutschland mit deutscher Mutter und norwegischem Vater, im Alter von 3 Jahren aber nach Norwegen gezogen worden. Es war ein nettes und interessantes Gespräch, auch wenn der Mann scheinbar in einer Nebenrealität zu leben scheint. Aber egal – es bereicherte die Erfahrungen ungemein.

Zum Abendessen waren wir wieder an Bord und nun begann unsere Reise in den hohen und kargen Norden Norwegens, der darüber hinaus für diese Jahreszeit ungewöhnlich schneereich ist. Der Sonnenuntergang gegen 23:30 Uhr war eine wahre Pracht, der Sonnenaufgang eine Stunde später derart schön, dass das unmöglich auf ein Foto zu bringen war. Was für eine Reise!

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